Cover Foto: Gründer Bill Deck und sein Sohn David © PUSSER’S New York Bar.

Hinter Münchens uriger, mit bayrischen Palästen und erstklassigen Galerien bespickter Fassade pulsiert ein einzigartiges Nachtleben. Von jazzigen Kneipen in der bezaubernden Altstadt bis hin zu kellerartigen Bierhallen am Ufer der Isar bietet es aufregende Vielseitigkeit. Zwischen Nachtclubs und Lagerhallen steht voller Stolz die Bar Pusser’s – der Außenposten amerikanischer Barkultur in dieser deutschen Stadt.

Pusser’s New York Bar bereichert bereits seit über 40 Jahren das Münchener Nachtleben. Ihr charismatischer Gründer, Bill Deck, hat Legendenstatus dafür erlangt, eine Bar im New Yorker Stil mit den dazugehörigen amerikanischen Trinksitten nach Deutschland zu bringen. Wir haben Deck getroffen, um herauszufinden, wie seine Bar mit ihrer karibisch-maritimen Einrichtung in München gelandet ist.

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Maritime Erinnerungsstücke an den Wänden des gemütlichen Barraums. © PUSSER’S New York Bar.

Wo alles begann

Im Jahr 1974 brachte Bill Deck seine kühne Vision einer typisch amerikanischen Bar in die Falkenturmstraße 9 in München. Welche Inspiration steckte dahinter?

Da ich die Möglichkeit gehabt habe, als Mitglied der U.S. Air Force sowie als Privatperson viele Jahre in München zu leben, habe ich bemerkt, dass dort etwas fehlte“, erklärt Deck. Etwas, das man getrost als genauso amerikanisch wie Apple Pie (amerikanischer Apfelkuchen) bezeichnen kann: die amerikanische Barkultur und die klassische, amerikanische Cocktailbar. Ich spürte den Drang, der Stadt und dem Land zu beweisen, dass wir Amerikaner etwas Wertvolles beisteuern können.“

Sein Konzept auf den Weg zu bringen stellte sich für Deck jedoch als große Herausforderung heraus, da er auf ernsthaften Widerstand stoß. Zu Beginn war es schwer, meine Idee zu erklären“, erzählt er weiter. Also musste ich es einfach alleine machen, mich von nichts und niemandem von meinem Konzept abbringen lassen.“

Aber nur drei Jahre nach der Eröffnung bat der damalige Bundeskanzler, Helmut Schmidt, Deck darum, sein Konzept auf das alljährliche Kanzlerfest in Bonn zu übertragen. Der Grund dafür? Schmidt sagte zu mir: Die Politiker und die Gäste müssen kommunizieren. Die beste Art, dies zu ermöglichen, ist es, die klassische Cocktailbar-Atmosphäre zu erzeugen.‘ Noch zwei weitere Jahre kam ich mit meinem Konzept zum Kanzlerfest, mit großem Erfolg. Das beweist zweifellos, dass die klassische Cocktailbar eine kulturelle Notwendigkeit ist. Über 150 Pärchen haben sich in meiner Bar kennengelernt und mittlerweile sind viele ihrer Kinder meine Gäste!“

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Der karibisch-inspirierte Painkiller-Cocktail ist das Markenzeichen der Bar. © PUSSER’S New York Bar.

Eine hochrangige Kundschaft

In den letzten 40 Jahren ist das Pusser’s der Lieblingstreff von schaulustigen Einheimischen sowie heimwehkranken Berühmtheiten gewesen und wurde sogar in der New York Times und der Süddeutschen Zeitung erwähnt.

Wenn er dazu gedrängt wird, einen entscheidenden Moment in der Geschichte der Bar zu benennen, gerät er in Bedrängnis: Das ist nicht einfach, es gibt so viele“, sagt Deck. Das Kanzlerfest war sicherlich einer. Die vielen berühmten Leute, die unsere Gäste waren und immer noch sind. Andy Warhol, Arnold Schwarzenegger, König Gustaf von Schweden und Boris Becker (der seine erste Frau in meiner Bar kennengelernt hat) – all diese Leute, plus die zahlreichen Stammkunden, die die schweigende Mehrheit bilden, haben in vielen entscheidenden Momenten unserer klassischen Barkultur eine Rolle gespielt.“

Mittlerweile lockt das Pusser’s mehr Kunden an als je zuvor. Durch die sozialen Medien ist es jetzt einfacher, uns zu finden, als es vor 30 oder 40 Jahren war“, sagt Deck. Damals ging es über Hörensagen, jetzt darüber und noch mehr. Unsere Liste von Stammkunden wird immer länger und zählt sowohl Einheimische als auch internationale Vielflieger.“

O’zapft is!

Als Münchens amerikanischer Außenposten Nr. 1 hat das Pusser’s amerikanisches Bier beinahe im Alleingang stadtbekannt gemacht, wenn auch mithilfe einiger glücklicher Zufälle.

Einige Jahre nach der Eröffnung in München kam ein Herr und stellte mehrere Flaschen seines Biers auf den Tisch“, erzählt Deck. Er sagte: Das ist das einzige amerikanische Bier, das in München verkauft werden darf, da es nach dem Reinheitsgebot von 1516 gebraut wird.‘ Der Herr war James Koch, Gründer der Boston Beer Company. Seine Dreistigkeit beeindruckte mich und so sagte ich ihm, dass ich sein Bier meinen Kunden anbieten würde. Es war ein guter Schachzug, denn jemand vom Time Magazine kam in die Bar und schoss ein Foto von mir, mit einer Flasche seines Biers am Tresen stehend. Die Bildunterschrift lautete: Samuel Adams, das einzige amerikanische Bier, das in München verkauft werden darf.‘ Das war eine gute Werbung für sein Bier und meine Bar.“

Was die Getränke angeht, bleibt das Pusser’s seiner Herkunft treu. Seit 1993 servieren wir Aying Bier, das in einer kleinen, aber weltberühmten Privatbrauerei südlich von München gebraut wird, und seit der Eröffnung 1974 servieren wir natürlich auch Guinness vom Fass“, sagt Deck. Ich war der Erste in München, der es vom Fass gezapft hat.“

Nichtsdestotrotz sind es die Cocktails, die den wirklichen Unterschied zwischen dem Pusser’s und der Münchener Bierhallenszene machen. Die auf Rumbasis gemixten, kräftigen Cocktails sind eine Hommage an die britischen Jungferninseln, so wie auch Pusser’s Markenzeichen, der Painkiller“. Der Mix aus Rum, Ananas, Kokosnuss, Orange und Muskatnuss ist die ausgereifte Interpretation eines Klassikers von den Inseln. Die Spirituosen, die ich anbiete, hatten schon immer Spitzenqualität“, sagt er weiter. Bis zum heutigen Tag ist die Bar für erlesene Ware bekannt.“

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Ein mit Flaggen geschmücktes Boot hängt von den Deckenbalken über der Hauptbar. © PUSSER’S New York Bar.

Eine Institution

Pusser’s befindet sich in einer versteckten Seitenstraße abseits des Trubels der Maximilianstraße, was nur noch mehr zu ihrem Reiz beiträgt. Von innen ist die Bar dunkel und entrückt, mit fleckiger Holzvertäfelung und einem traditionellen, bayrischen Fliesenboden. Die karibisch-maritime Einrichtung zieht sich durch den Raum, mit einem von den Dachbalken hängenden Boot und nostalgischen, maritimen Erinnerungsstücken aus dem 18. und 19. Jahrhundert, die sich an den Wänden aneinanderreihen. Im Keller befindet sich ein Klavier – heutzutage eine wahre Seltenheit in der Stadt – auf dem an vier Abenden pro Woche Musik gespielt wird.

Dennoch ist es der Ruf der Bar, der immer noch die Massen anzieht. Nach 43 Jahren beständiger Spitzenleistung im Cocktailmixen ist die Bar eine Institution in der Bierstadt München geworden“, erzählt uns Deck. Gäste, die auf der Suche nach Qualität und einer klassischen, amerikanischen Old-School‘-Bar sind, kommen automatisch hierher.“

Pusser’s ist eine legendäre Anlaufstelle im Münchener Nachtleben, authentisch und wegweisend und mit einem Schuss guter alter Gaudi, wo man mit einem Drink in der Hand entspannen kann. Wie immer will Deck das letzte Wort haben: Sie fragen sich vielleicht, warum ich die Bar Pusser’s genannt habe. Zunächst, weil Pusser’s Rum einer der besten überhaupt ist. Doch in erster Linie habe ich sie Pusser’s genannt, weil das Wort flüssige Geschichte‘ bedeutet. Ich könnte mir keinen besseren Namen für eine Cocktailbar vorstellen.“

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